Symphonische Postkarten – Die vier Jahreszeiten

OP.23

Symphonische Postkarten – Die vier Jahreszeiten

2019

Originalkompositionen

Nr.1a Herbst – Regen in den Wäldern
(2019) [2:40]
LMB-OP-023-01-A-2019

Nr.1b Herbst – Regen in den Wäldern
(2019) [2:40]
LMB-OP-023-01-B-2019

Nr.2a Winter – Adamello, der ewige Gletscher
(2019) [2:50]
LMB-OP-023-02-A-2019

Nr.2b Winter – Adamello, der ewige Gletscher
(2019) [2:50]
LMB-OP-023-02-B-2019

Nr.3a Frühling – Der glückliche Flug der Schwalben um die gefundenen Nester
(2019) [2:10]
LMB-OP-023-03-A-2019

Nr.3b Frühling – Der glückliche Flug der Schwalben um die gefundenen Nester
(2019) [2:10]
LMB-OP-023-03-B-2019

Nr.4a Sommer – Tanz auf dem Hof um die Ernte
(2019) [2:00]
LMB-OP-023-04-A-2019

Nr.4b Sommer – Tanz auf dem Hof um die Ernte
(2019) [2:00]
LMB-OP-023-04-B-2019

Besetzung: Nr.1/2/3/4a Traditionelles Symphonieorchester | Nr.1/2/3/4b Blasorchester mit zusätzlichen Streichern, E-Gitarre und Perkussion
Widmung: Nr.1/2/3/4a: Akademisches Orchester Leipzig – Leipzig | Nr.1/2/3/4b Orchester Musicalmenno – Bergamo
Uraufführung | Interpreten: Nr.1/2/3/4a: 08.10.2022 – Maximilianskirche – München – Orchester Ensemble Lodron – Dirigent Gerald Häußler |  Nr.1/2/3/4b: 26.12.2019 – Pfarrkirche von Almenno S.Bartolomeo (BG) – Orchester MusicAlmenno – Dirigent Francesco Mazzoleni
Edition: unveröffentlichtes Werk
Beschreibung: Symphonische miniaturen, die durch Lesungen und Reflexionen zum aktuellen Thema der durch den Menschen verursachten Naturzerstörung und Klimawandel inspiriert wurden.

VORWORT DES KOMPONISTEN ZUR URAUFFÜHRUNG DER SYMPHONISCHEN POSTKARTEN OP. 23

Diese kurzen Stücke, die den vier Jahreszeiten gewidmet sind, entstanden zwischen Mai und Juni 2019 nach einigen Orchestrierungsübungen, die mich dazu veranlassten, einige kurze Klavierstücke von Mendelssohn, Grieg und Liszt für ein großes Sinfonieorchester zu arrangieren. Auf Anregung meines Kompositionslehrers Prof. Laurence Traiger beschloss ich, eigene, kurze Kompositionen für Symphonieorchester in der Tradition der Programmmusik zu schreiben. Dies waren meine ersten Arbeiten mit einem so großen Ensemble. Symphonische Musik dann, aber mit welchem Programm?
Damals, nach dem ersten großen Klimastreik am 14. Dezember 2018 in München, gab es in unserer Familie immer häufiger Diskussionen und Debatten über Klimawandel und Jugendbewegungen zum Schutz von Klima und Umwelt. Meine Kinder waren oft Initiatoren solcher Diskussionen die meist am Tisch entstanden. So beschloss ich, genau dieses Thema für meine Arbeit aufzugreifen. Ich bezog mich auf eines der berühmtesten Beispiele in der Geschichte der Programmmusik, Vivaldis Vier-Jahreszeiten-Konzerte. Meine Idee war, vier kurze symphonische Miniaturen zu schaffen, die jeweils eine der Jahreszeiten darstellen und genau wie in Vivaldis Partituren, vertonte Bilder zu verwenden.
Aber welche Bilder? Also suchte ich in meinem visuellen Gedächtnis nach einigen Erinnerungen an meine Jugendzeit in Italien (ich bin gebürtiger Bergamasker und 1993 nach München gezogen), die mich sofort wieder zu diesem Wunder der Natur zurückbrachten, das sich zu jeder Jahreszeit fest, unfehlbar, unveränderlich und beruhigend wiederholte. Und so kristallisierten sich die Bildunterschriften meiner vier symphonischen Postkarten
heraus. In meiner Vorstellung sind diese Bilder immer noch da, fest vor meinen Augen, beruhigend und unveränderlich. Die Realität sieht jedoch seit Jahren ganz anders aus. Keiner von uns kann mehr so tun, als ob nichts geschehe; die Auswirkungen des Klimawandels sind schon jetzt in großem Umfang
sichtbar, sie sind jeden Tag mehr und mehr zu spüren und lassen sich nicht mehr verbergen oder verharmlosen. Direkt im Zusammenhang mit den Bildern, die meine Stücke prägen, einige Beispiele:

Nr. 1 – Die langen Herbstregen, die feuchten Herbstnebel gibt es in meinem Land nicht mehr. Oktober und November sind immer trocknerere und wärmere Monate geworden.
Nr.2 – Der Adamello-Gletscher, nicht weit von meiner Stadt Bergamo entfernt, schmilzt mit einer Geschwindigkeit, die noch vor wenigen Jahren unvorstellbar war. Es handelt sich um eine der größten Gletschermassen der italienischen Alpen, die Schätzungen zufolge in dreißig Jahren verschwunden sein werden.
Nr.3 – Im Frühling kommen immer weniger Schwalben in mein italienisches Dorf. Diese Tiere, die tausende von Kilometern zurücklegen müssen um sich jedes Jahr in ihren Geburtsgebieten vermehren zu können, finden wegen der Dürre auf der langen Reise nicht genügend Nahrung. Viele Vögel sterben erschöpft während der langen Flugwanderung ohne ans Ziel gekommen zu sein.
Nr.4 – In meiner Heimat gibt es keine Erntefeste mehr. Immer weniger Menschen widmen sich der Arbeit auf den Feldern. Der Boden ist, statt ein Geschenk der Natur an die Menschen für ihre Ernährung und ihren Lebensunterhalt zu sein, zu einem bloßen Instrument der Immobilienspekulation geworden und immer mehr fruchtbarer Boden wandelt sich zu Betonwüsten.

Ich schaue dann um mich herum und ich frage mich: mein Gott, was habe ich mit Deiner Schöpfung gemacht, die Du mir anvertraut hast? Die Schönheit der Erinnerungen und die Kraft der Nostalgie sollten uns zum Nachdenken und zum entschlossenen Handeln anregen, um zu versuchen, den entstandenen  Schaden zu beheben. Wir können dies vielleicht noch schaffen. Wir können es mindestens versuchen.

Lucio Mosè Benaglia

Hier das Programmheft der Uraufführung